Toilet Week 2021: Völlig unterschätzt – das große Potential von „flüssigem Gold“

19.11.2021 08:00

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Wir sind mehrmals am Tag auf sie angewiesen. Diskret und verlässlich hilft sie uns dabei unseren Hygienestandard hoch zu halten. Ein Leben ohne sie wäre kaum vorstellbar. Es ist an der Zeit sich bei ihr für den unermüdlichen Dienst zu bedanken. Anlässlich des World Toilet Days am 19. November sagen wir:

Danke Toilette! Du bist einfach toll!!

Denn ein stilles Örtchen nutzen zu können ist weltweit noch lange keine Selbstverständlichkeit. Viele Menschen müssen auf den Luxus eines eigenen Klos verzichten. Deshalb wollen wir Toiletten jetzt mal die Aufmerksamkeit geben, die sie verdienen. Und gleichzeitig ein bisschen hinter die Kulissen unserer so selbstverständlichen Toilettennutzung schauen.

Urin – Harn – Pipi: Eine außerordentlich nützliche Flüssigkeit

Über das ganze Leben hinweg produzieren wir eine ganz schön große Menge an Urin. Natürlich ist die Versorgung des Körpers mit sauberem Trinkwasser die Grundvoraussetzung dafür, dann passiert die Produktion von Harn ganz nebenbei. Dabei kommt ein Mensch auf 0,8 bis 1,5 Liter täglich.

„Ich geh nur noch schnell Pipi“, „Ich muss pinkeln“ oder „Ich muss schon wieder schiffen“ – geht den meisten schon eher über die Lippen als das Thema Stuhlgang, trotzdem gehört es zu den Tabuthemen. Vielleicht auch, weil Harn einen bestimmen, unverkennbaren Geruch hat. Frischer Urin riecht leicht nach Brühe, nach einer Zeit nimmt er allerdings einen eher intensiven Ammoniakgeruch an, da Bakterien sich ans Werk machen.

Auch wenn der eine oder andere die Nase rümpft: Es die natürlichste und ursprünglichste Flüssigkeit der Welt. Schon ein Fötus verbringt seine ersten Lebensmonate im eigenen Urin. Es ist tatsächlich ein verkanntes Wundermittel und kann als Arzneimittel, Energieträger, Rohstoff und natürlich auch als Dünger verwendet werden.

Das Wunderwerk der Urinproduktion – Einmal gut durchspülen bitte

Harn besteht zu 95% aus Wasser. Nehmen wir eine Flüssigkeit zu uns, dann gelangt diese über den Darm ins Blut. Die Nieren filtern unser Blut etwas dreihundert Mal täglich. Dabei sammeln sich im Nierenbecken Stoffe an, die der Körper nicht mehr braucht. Diese werden durch überschüssige Flüssigkeit herausgeschwemmt und landen in der ballonartigen Blase. Im Urin befinden sich jetzt Harnstoff (ca. 20 Gramm pro Tag), Harnsäure, Proteine, Zucker, Hormone, Vitamine, Enzyme, Duftstoffe und jede Menge andere Stoffwechsel-Endprodukte.

Ich sehe was, was du nicht siehst: Was dein Urin alles über dich verrät

Was genau in deinem Urin zu finden ist hängt natürlich davon ab, wie du dich ernährst, wie viel du trinkst und auch, ob du gesund bist.

Anhand deines Harns kann ärztliches Fachpersonal leicht feststellen, ob deine Nieren in Ordnung sind, ein Infekt vorliegt, etwas mit deinem Zuckerhaushalt nicht stimmt oder die Leber leidet. Dafür braucht es meist nur einen Teststreifen, der auf bestimmte Inhaltsstoffe anschlägt.

Die Uroskopie oder Harnschau ist eine der ältesten medizinischen Untersuchungen überhaupt. In der Antike und im Mittelalter war sie sogar eines der wichtigsten diagnostischen Mittel. Hier gaben nämlich vor allem Körperflüssigkeiten Aufschluss über Krankheiten. Je nach Farbe, Trübung, Geruch und Geschmack konnte eine Diagnose gestellt werden.


© Kildwick

Jeder Tropfen ist kostbar: Urin als Heil - und Hilfsmittel

Im ersten Weltkrieg wurde der eigene Harn sogar dazu benutzt Wunden zu säubern. Vor allem in der Naturheilkunde wird der eigene Urin auch heute noch zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt. Er kann äußerlich oder auch innerlich angewendet werden und soll bei Hautentzündungen und einem schlechten Immunsystem helfen.

Heute steht man diesen Behandlungen eher skeptisch gegenüber. Vielleicht auch, weil es mittlerweile eine Menge Überwindung kostet, sich dem eigenen Urin zu stellen. Dabei versteckt sich Harnstoff in einer Vielzahl von Produkten, zum Beispiel in Schlafmitteln und Kosmetika.

Den größten Nutzen aus ihrem eigenen Urin (und Kot) ziehen bislang aber sicherlich Tiere. Durch Duftmarkierungen werden Wege gekennzeichnet, Revier markiert, Alarmsignale gesendet und auch bei der sexuellen Anwerbung ist der Duft der Ausscheidungen zukunftsweisend.

Jetzt wird gedüngt! - Wie auch wir Urin richtig nutzen können

Es gibt viele Gründe, warum wir Trenntoiletten lieben. Einer der wichtigsten ist, dass wir durch sie unsere Hinterlassenschaften als biologischen Dünger verwenden können, um so den natürlichen Kreislauf wieder zu schließen.

Einigen Gärtner(innen) ist das „Goldwasser“ vielleicht schon bekannt, denn Urin enthält auch Kalium, Magnesium, Phosphor und viel Stickstoff. Genau das, was Pflanzen zum Wachsen brauchen. Das kann doch kein Zufall sein, mag sich der ein oder andere jetzt denken! Das ist es auch nicht, denn von Natur aus ist es genau so gedacht. Schließlich werden Felder seit jeher mit dem Kot von Tieren nährstoffreich gemacht.

Wer es selbst mal probieren möchte, sollte den Urin auf jeden Fall verdünnen. Je nach Pflanzentyp ist eine 8- bis 20-fache Verdünnung angebracht. Die Mischung wird dann einfach auf den Boden gegeben. Blätter sollte man lieber nicht benetzen, da der Stickstoff durch Sonneneinstrahlung zu Verbrennungen der Blätterhaut führen kann.

Besonders Kartoffeln, Tomaten, Kürbis und Rosen freuen sich über die kraftvolle Unterstützung. Aber auch Hecken und Rasen können im Herbst von der Mischung profitieren. Überreste können mit guten Gewissen auf dem Kompost geschüttet werden. Die Inhaltsstoffe reichern ihn mit Nährstoffen an und beschleunigen die Verrottung. Bei Pflanzen die Nitrat einlagern – z.B. Salat und Spinat – sollte man auf die Düngung mit Urin verzichten.

Generell sollte nur Urin verwendet werden, der frei von Medikamentenüberresten ist, da diese dem Boden schaden können.

Phosphor: Jeder braucht es, keiner hat es bald mehr. Außer wir selbst.

Das mag sich jetzt erst mal widersprüchlich anhören, ist es aber nicht:

Phosphor steckt in fast jedem Düngemittel. Abgebaut wird es vor allem in Marokko, China, Algerien, Syrien und Südafrika. Zum Einsatz kommt es zum Beispiel für das großzügige Düngen von Getreidefeldern, um immer schneller, immer mehr Futter für Nutztiere zu generieren.

Doch es gibt ein Problem: Schon in 75 bis 200 Jahren sollen die weltweiten Phosphorreserven erschöpft sein.

Da liegt es nahe, dass wir versuchen sollten, den Phosphor aus unserem Urin zu recyclen. Im Kleinen kann das mit eine Trockentrenntoilette schon prima funktionieren, indem der aufgefangene Urin als Dünger für den eigenen Gemüsegarten genutzt wird.

Der Anfang einer kleinen Pipi – Revolution.


© Kildwick/Florian Manhardt

Rettet das Pipi!

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