small home, big adventure

04.04.2020 18:00

Florry the Lorry

Heute plaudern wir mit der sympathischen Catherine und ihrem Mann Chris aus Großbritannien. Auf ihrer Website, wo sie über ihre Reisen und den Ausbau von Florry the Lorry berichten (www.florrythelorry.com), betiteln sie sich liebevoll als Mr. und Mrs. Florry. Die Aussteiger haben in den letzten Jahren ihren Traum verwirklicht und waren mit ihrem selbst ausgebauten 7,5 Tonner der Marke DAF LF 45 für mehrere Wochen auf Europatour. Auch Deutschland haben sie einen Besuch abgestattet, aber darauf kommen wir später noch einmal zurück.

Florry, so heißt das Schätzchen, hat 15.000 britische Pfund gekostet. Der Ausbau schlug mit noch einmal 10.000 Pfund zu Buche und hat knapp zwei Jahre Zeit in Anspruch genommen. Zwar wirkt der Ausbaupreis im ersten Moment relativ hoch, aber in so einem großen Fahrzeug ist auch ordentlich Platz. Chris und Cat haben an wirklich jedes Detail gedacht, um aus ihrem Lorry ein vollfunktionstüchtiges rollendes autarkes Apartment zu machen.

Florry hat eine bestens ausgestattete Küche, ein kleines Bad und das Interieur ist unglaublich gemütlich geworden – es lädt auch bei schlechtem Wetter zum Verweilen ein. Den Kuschelfaktor haben die beiden geschaffen, indem sie statt normalem Holz alte Weinkisten für den Möbelbau verwendet haben. Zimmerpflanzen sowie bunte Flickenteppiche und Decken runden das Gesamtbild ab.

 

Aber lasst uns ein paar Jahre zurückblicken: Chris und Cat haben in London in einem luxuriösen Haus gelebt, beide hatten feste Jobs. Chris arbeitete in der IT-Branche und Cat als Dozentin für Gebärdensprache. Alles ganz normal, mag man meinen. Catherine erklärt uns, dass ihr Leben nur aus Arbeit bestand, um die Hypothek für das Haus bezahlen zu können. Das hat beide enorm unter Druck gesetzt und sie waren sehr unglücklich mit der Situation.

Das Ehepaar pflegt zwei gemeinsame Hobbys: das Reisen und das Tauchen. Genau eine dieser Freizeitbeschäftigungen ließ sie auf eine Tauchlehrerin treffen, die Vollzeit in einem ebenfalls ausgebauten Lkw lebt. Diese minimalistische Lebensweise faszinierte Chris und Cat.

Wir wollen von beiden wissen, ob sie sich gleich Hals über Kopf ins Abenteuer gestürzt haben oder ob es schon arge Bedenken angesichts dieses Projektes gab? „Natürlich gab es viele Bedenken“, antwortet uns Mrs. Florry ehrlich. „Aber wir wussten beide, wir würden es das ganze restliche Leben bereuen, wenn wir es nicht wenigstens versuchten.“ Uns interessiert, wie der Freundeskreis reagiert, wenn man eine solche Entscheidung trifft. „Unsere Freunde haben uns von Anfang an unterstützt“, erzählt Cat. „Ich glaube, nur meine beiden erwachsenen Töchter haben uns für ein bisschen verrückt gehalten.“

Wir wollen es nun etwas genauer wissen, denn 25.000 Pfund sind schließlich keine geringe Summe: Wie haben die Lkw-Bewohner die Kosten gestemmt? Cat gibt zu, dass sie für Florry einen Kredit aufnehmen mussten und den auch noch abbezahlen. Wir grübeln kurz und fragen, was mit dem Haus in London passiert ist. „Das Haus“, berichtet die Lorry-Lady, „haben wir mittlerweile vermietet. Viele unserer Möbel und Gegenstände haben wir entweder verkauft oder für einen guten Zweck gespendet. Nur das, was wir für die Einrichtung von Florry brauchten, haben wir behalten. Die Mieteinnahmen sorgen dafür, dass der Kredit weiter bedient werden kann.“ Die Reisenden leben also tatsächlich Vollzeit im kuscheligen Lorry. Um ihre Reisen zu finanzieren und bestehende Verbindlichkeiten zu bezahlen, arbeitet Mr. Florry immer mal wieder für einige Monate in seinem Beruf. Mrs. Florry hingeben baut entzückende Alltagsgegenstände aus Holz, beispielsweise Tabletts sowie andere nützliche Dinge, und verkauft diese, um die Reisekasse aufzubessern.

Minimalismus ist bei beiden Trumpf und am liebsten sind sie in der Natur unterwegs. Wenn sie nicht auf Reisen sind, weil das Sparschwein erst einmal wieder gemästet werden muss, dann verbringen sie ihre Zeit in der Heimat, besuchen Freunde und ihre Familie.

Neugierig wie wir sind, wollen wir wissen, ob Mr. und Mrs. Florry etwas vermissen von ihrem ursprünglichen Leben, wenn man sich auf so eine überschaubare Quadratmeterzahl runterreduziert hat? Catherine antwortet auch hier sehr ehrlich: „Eine heiße Badewanne ist schon ein ziemlicher Luxus. Aber ich habe die Möglichkeit, bei Freunden ein ausgiebiges Bad zu nehmen.“ Wir haben für dieses Bedürfnis absolutes Verständnis!

Die beiden reisen übrigens nicht alleine. Ihr treuer Begleiter ist ein schokoladenbrauner Labrador mit dem klangvollen Namen Rolo. Der mittlerweile zwei Jahre alte Rüde ist im zarten Alten von acht Wochen zu den damals noch Ausbauenden gekommen. Die Kinderschar (zusammen sind es fünf) hat das Pärchen überredet, sich einen Hund zuzulegen. Damit der neue Familienzuwachs auch in jeder Situation entspannt bleibt, kam er bereits während der Ausbauphase zu seinen Besitzern. Das hat sich ausgezahlt, denn Rolo ist so tiefenentspannt, dass er sogar bei der Benutzung von Elektrowerkzeugen sein Schönheitsschläfchen unberührt fortführt. Richtig aktiv wird er hingegen beim Erkunden von neuem Gelände – und sobald ein Gewässer in der Nähe ist, ist er nicht mehr zu halten und ausgiebiger Badespaß angesagt.

Wie anfangs erwähnt, haben die reiselustigen Briten dem europäischen Festland im vergangenen Jahr einen mehrmonatigen Besuch abgestattet, unter anderem waren sie auch in Deutschland zu Gast. Die Lorry-Fahrer haben Freunde im beschaulichen Speyer und sind große Fans der Romantischen Straße mit den schönen Schlössern am Rhein. Uns interessieren die Unterschiede zwischen ihrem Heimatland und Deutschland: „Für große Wohnmobile ist es in Großbritannien schwierig“, erklärt uns Cat. „In Deutschland gibt es viele tolle und günstige Campingplätze für große Fahrzeuge. Das hat das Reisen sehr angenehm gemacht. Und Chris liebt die deutsche Küche“, verrät uns die Britin, „er ist ein großer Fleischliebhaber“. Cat kommt auch gut ohne Fleisch aus, für sie sind die deutschen gastronomischen Gepflogenheiten etwas gewöhnungsbedürftig.

Seit einigen Wochen sind die beiden stolze Besitzer eines Kildwick MiniLoos. Wir wollen natürlich wissen, wie es dazu kam.

Schon im Mai 2019 wurden Recherchen zum Thema Komposttoilette angestellt und die landeten beim englischen Kildwick. Wie auch wir erhielten Cat und Chris die Information über das Firmen-Aus und so wurde schweren Herzens eine kleine portable Chemietoilette in Florrys Badezimmer eingebaut.

Nach der Europatour wurde jedoch klar – das Chemieklo ist nichts für die beiden! Zunächst haben sie eine Trenntoilette mit einem halben Trenneinsatz, hergestellt in ihrer Heimat, selber gebaut. Cat stellte aber ziemlich schnell fest, dass diese Variante keineswegs zufriedenstellend funktioniert und so ging es erneut auf die Suche. Dabei stellte das Paar fest, dass Kildwick mittlerweile in Deutschland neues Leben eingehaucht wurde, und beide haben sich direkt in unser MiniLoo verliebt. Aktuell wird unsere kleinste Campingtoilette mit einem farbenfrohen Unterwassermotiv liebevoll verziert – und wir platzen vor Ungeduld, das finale Ergebnis endlich bestaunen zu können. (Die Künstlerin dieses einmaligen Modells ist übrigens Nicola Bedenham.)

Chris und Cat suchen gerade noch nach einer Lösung, wie eine Kompostkiste den Lorry zusätzlich bereichern kann. Wie sind gespannt und werden am Ball bleiben, denn so etwas haben auch wir noch nicht gesehen.

In ihrer Heimat sind Mr. und Mrs. Florry kleine Berühmtheiten; verschiedene Zeitungen und Magazine haben bereits über sie berichtet. Die mediale Berichterstattung führte dazu, dass sie dieses Jahr bei folgenden britischen Camping- und Offgrid-Messen zu Gast sein werden:

Adventure & Overlander Spring Show (25. und 26. April 2020. Leider wurden beide Shows abgesagt bzw. verschoben wegen der Corona-Situation)

Camp Quirky (15.–17. Mai 2020. Leider wurden beide Shows abgesagt bzw. verschoben wegen der Corona-Situation)

Off-Grid Survival Show (5. und 6. September 2020)

Wer sich also zu diesem Zeitpunkt gerade in der Nähe aufhält, sollte Cat, Chris, Rolo und natürlich Florry unbedingt einen Besuch abstatten.

Zum Schluss möchten wir noch erfahren, wie Florry zu seinem Namen gekommen ist. „Wir haben mit unseren Freunden zusammengesessen und uns überlegt, auf welchen Namen wir unser Reisemobil taufen, allerdings kam kein überzeugendes Ergebnis dabei heraus“, erklärt uns Mrs. Florry. „Letztlich war es mein Mann, der dem Lkw den klangvollen Namen Florry verpasst hat, weil er sich so schön auf Lorry reimt“.

Welchen Reisetraum möchten sich die Traveler noch erfüllen? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: Kanada! Allerdings müsste der Wohn-Lkw dazu verschifft werden, was ziemliche Kosten bedeutet. Aber aufgeben werden sie ihren Traum nicht, es wird wohl lediglich noch ein bisschen dauern, bis die Summe zusammengespart ist.

Vielleicht stoßen die Hobbytaucher beim nächsten Unterwasserabenteuer auf einen verschollenen Goldschatz oder vielleicht entdeckt Rolo beim Löchergraben zufällig eine Schatzkarte, damit die außergewöhnliche Truppe ihren Traum ganz bald in die Tat umsetzen kann. Wir wünschen es uns und ihnen!

Wenn auch du nun ein Fan von Florry the Lorry bist, dann Daumen hoch auf Facebook und/oder Instagram. Eine komplette Roomtour gibt es übrigens auf YouTube.