Urinverwendung im Garten

21.07.2019 18:00

Das flüssige Gold nutzen

Einigen wird bei diesem Blogbeitrag vielleicht etwas mulmig im Magen, denn das Thema Urinverwendung bzw. Kompostierung von Urin ist immer noch mit einem gewissen Ekelfaktor behaftet. Wir finden: ganz zu Unrecht!

Wenn man davon ausgeht, dass jeder Mensch pro Tag 1,5 bis 2 Liter Urin produziert und bei jeder Blasenentleerung 200 bis 400 Milliliter ausgeschieden werden, dann sind das im Jahr durchschnittlich 550 bis 600 Liter anfallender Harn. Und diese Menge an nützlichem Rohstoff wird mit Unmengen Wasser entsorgt.

Das ist schade, denn Urin ist unglaublich reich an Stickstoff, Magnesium, Phosphat, Kalium und Calcium. Wenn du es genauer wissen möchtest, dann schau in unser Kild-Wiki.

All diese Stoffe sind ein Garant für optimales Pflanzenwachstum. Stellt man einen direkten Vergleich an zwischen künstlich hergestelltem Flüssigdünger und Urin, dann kann der industriell produzierte Dünger einpacken. Von Natur aus ist der menschliche Harn mit so vielen wichtigen Inhaltsstoffen versetzt, dass deren nutzlose Entsorgung in der Toilette schon traurig ist.

Wer jetzt in seinen Garten sprinten will, um auf seinen Spinat zu pieseln, dem müssen wir ein Stopp-Schild vor die Nase halten. Denn bei der Düngung mit Urin gibt es doch noch einige wichtige Punkte zu beachten.


Das solltest du beachten...


Verdünnung

Urin sollte nie unverdünnt als Dünger verwendet werden, da er in Reinform zu konzentriert ist und den Pflanzen schaden würde. Einzige Ausnahme: der Rasen. Hier kann Harn bei der Düngung auch unverdünnt eingesetzt werden, aber nur max. 1 bis 2 Liter pro Quadratmeter und Jahr. Und Achtung: Einige Pflanzen mögen Urin gar nicht!

Die Verdünnung sollte je nach Einsatzgebiet 1:8, 1:10 bzw. 1:20 erfolgen. Also 1 Teil Harn auf 8 Teile Wasser usw. Ausbringen lässt sich die Flüssigkeit mit einer herkömmlichen Sprühkopfkanne. Dies sollte aber nicht bei intensivem Sonnenschein, starkem Wind, Regen oder sehr gewässerten Böden erfolgen. Und keine Sorge: Durch die Verdünnung mit Wasser riecht der Urin nicht.

Interessanterweise gibt es einige Pflanzen, die Harn als Dünger nicht mögen. Das lässt sich einfach begründen. Urin enthält nicht nur tolle Zusätze, sondern auch Salz (Natriumchlorid), auf das einige Pflanzen empfindlich reagieren. Wie hoch der Salzgehalt ist, hängt unter anderem mit der Ernährungsweise der jeweiligen Person zusammen.

Jungpflanzen (Keimlinge), Farne, Azaleen und Orchideen sowie Bromelien sollten auf keinen Fall mit Urin gedüngt werden. Etwas weniger empfindlich reagieren Salat, Radieschen, Primeln und Begonien, aber auch fast alle Obstarten. Erbsen, Tomaten und Gurken vertragen den Urindünger gut. Unempfindlich auf die Harndüngung reagieren zum Beispiel Kohlpflanzen und Spinat, sowie Geranien und Nelken.

Prinzipiell gilt aber, dass eine Düngung von frisch verzehrbarem Obst oder Gemüse – Salate, Erdbeeren, Kräuter etc. – vermieden werden sollte.

Hormone und Medikamente

Sollte eine medikamentöse Behandlung vorliegen, dann lagern sich die Stoffe im Urin ab. Das gilt auch für die Einnahme der Anti-Baby-Pille. Kontaminierter Harn sollte auf keinen Fall als Dünger verwendet werden.

Bakterien, Keime und Viren

Prinzipiell ist Urin hygienisch unbedenklich. Da er durch die Harnröhre fließt, wird er jedoch auch mit Bakterien angereichert. Wer auf Nummer sichergehen will, bevor er Harn als Flüssigdünger verwendet, der hygienisiert den angefallenen Urin. Das ist nicht sonderlich aufwendig: Der Urin muss lediglich über mehrere Wochen gelagert werden. Tests haben ergeben, dass eine sechsmonatige Lagerung bei 20 Grad ausreicht, um hygienisch unbedenklichen Urin zu erhalten.

Solltest du in einem Wasserschutzgebiet leben, dann informiere dich bitte vorab bei deiner zuständigen Kommune, ob hier das Düngen mit Urin erlaubt ist.