Ein Interview mit Heidi und Bernd

09.09.2019 18:00

Ein Interview mit Trockentrenntoiletten Benutzer

Heute treffen wir Heidi und Bernd, beide im besten Alter, sowie ihren entzückend quirligen Rauhaardackel Willi. Die beiden (bzw. die drei) verbringen ihre Wochenenden seit über 30 Jahren (Willi noch nicht ganz so lange) am liebsten auf ihrer Datsche in der Nähe von Leipzig. Für alle, die mit dem Begriff Datsche oder Datscha nichts anfangen können, hier eine kurze Erklärung: Das Wort „Datscha“ kommt ursprünglich aus dem Russischen und wurde in den DDR-Sprachgebrauch übernommen. Mittlerweile sollte eigentlich in Gesamtdeutschland bekannt sein, dass es sich hierbei um ein Freizeitgrundstück mit Häuschen handelt. 

Aber zurück zu unserer Geschichte: Heidi und Bernd sitzen entspannt im Grünen, während Willi hingebungsvoll ein Loch zu unseren Füßen gräbt. Ihr Wochenendgrundstück ist an das Wasserversorgungsnetz angeschlossen, hat ein WC und seit Herbst 2018 auch eine Trockentrenntoilette. Das interessiert uns natürlich und wir möchten mehr über ihre Beweggründe wissen. Wir fragen nach: Warum hat sich das Paar für den Einbau einer TTT entschieden? Bernd antwortet uns, dass er schon lange unzufrieden war mit der bisherigen Lösung. Der Toiletteninhalt wurde zusammen mit dem Grauwasser in eine Sammelgrube geleitet, die ziemlich oft entleert werden musste. „Nebenbei nicht gerade günstig“, berichtet er. Wir wollen von ihm wissen, ob sich seit dem ersten Einsatz der Trockentrenntoilette schon eine Kostenersparnis erkennen lässt. Das kann uns Bernd leider nicht sagen, weil der Zeitraum noch zu kurz ist, um genaue Zahlen zu liefern. Er verspricht uns aber, uns diesbezüglich auf dem Laufenden zu halten.

Die Initialzündung kam letztlich durch ihre Tochter. Sie und ihre Familie haben schon sehr lange eine Komposttoilette, sind damit sehr zufrieden und haben Bernd den Trenneinsatz inklusive Toilettenbrille geschenkt. Bernd bastelt und baut gerne in seiner Freizeit. Die Bauanleitung und weitere Informationen zur Funktionsweise von Trenntoiletten waren im Internet leicht zu finden, der Aufbau hat dann circa einen Tag gedauert, erzählt Bernd und lehnt sich zurück.  Willi ist währenddessen fertig mit Graben und zerkaut nun leidenschaftlich einen Tannenzapfen.

Wir wollen wissen, wie das Paar die Behälterentleerung handhabt. Da die beiden nur am Wochenende auf ihrer Datsche sind, schütten sie die Feststoffe am Sonntag auf den Komposthaufen. Heidi lacht: „Das haben wir aber auch schon einmal vergessen und dann erst am kommenden Sonntag wieder geleert.“ Und damit sind wir bereits bei der nächsten Frage: Gab es Probleme mit Fliegen? Sowohl Heidi als auch Bernd schütteln den Kopf, Fliegen oder unangenehme Gerüche auf ihrer TTT kennen sie nicht.

Uns interessiert, ob sie sich über den Einbau der Trockentoilette gleich einig waren. Beide fangen an zu grinsen: nein. Heidi war anfänglich gar nicht begeistert von Bernds Idee. Sie hatte Bedenken, dass die Trenntoilette einen Rückschritt bedeuten würde. Das Plumpsklo, das in der DDR noch lange sehr verbreitet war, haben viele Ostdeutsche eher unangenehm in Erinnerung. So hatte auch Heidi bei der geplanten Trockentrenntoilette das Bild von einem Plumpsklo im Kopf. „Nun möchte ich es aber nicht mehr missen“, erklärt sie überzeugt, denn die Umgewöhnung ging einfach und schnell.

Zum Schluss unseres Gesprächs – Willi fängt vor Langeweile schon an zu fiepen und schaut kampflustig zu Heidis Kehrbesen – wollen wir wissen, wie Gäste auf das neue Toilettensystem reagieren. Bernd plaudert aus dem Nähkästchen: „Da beide Varianten, also WC und TTT, in unserem Badezimmer vorhanden sind, nutzen einige Besucher gewohnheitsgemäß das Standard-WC. Aber wenn sich doch mal ein Gast auf die neue Toilette wagt, dann sind die Rückmeldungen absolut positiv.“

Die beiden sind jedoch nicht nur passionierte Datsche-Fans, sondern verbringen den Urlaub grundsätzlich in ihrem Wohnmobil. Bernd verrät uns noch, dass für den Camper auch schon der Umbau von Chemietoilette auf Trockentrenntoilette geplant ist.

Heidi, Bernd und natürlich Willi – wir bedanken uns für die offenen Worte und die Einblicke in eure TTT-Praxis. Wir werden bald wieder von euch hören, spätestens wenn die nächste Wasserabrechnung kommt oder wenn es mit dem Wohnmobil-Umbau losgeht.