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Verschiedene Gruppen von Menschen posieren vor Häusern.

© @rheinbulli

Mit anpacken in Ahrweiler— direkt nach der Flutkatastrophe und in der Weihnachtszeit. Unser Gespräch mit einem Menschen, für den Helfen ganz selbstverständlich ist.

Liebe Freunde,

wir hoffen Ihr habt ein besinnliches Fest, das jetzt am Ausklingen ist. Wir möchten mit Euch in den letzten Feiertags-Stunden zurückblickend an die Menschen denken, die dieses Jahr vielleicht ein nicht so schönes Weihnachten hatten, nämlich weil sie in der Flut-Katastrophe von Ahrweiler ihr Zuhause oder noch schlimmer Angehörige oder Freunde verloren haben.

Es geht nicht darum sich schlecht zu fühlen, sondern darum die anderen nicht einfach zu vergessen.

Angesichts dieser Ereignisse fragen wir uns, was Menschen in so einer Krise, die noch lange andauern wird, am meisten brauchen? Abgesehen von dem Lebensnotwendigsten sind es doch andere Menschen.

Menschen, die mitfühlen, Menschen, die zuhören, aber auch Menschen, die mitanpacken, helfen, manchmal auch mit einfachsten Lösungen, die schwierige Zeit zu überstehen und Lichtblicke schaffen – damit die Betroffenen sehen: Es geht weiter und wir sind nicht allein.

Einen dieser beindruckenden Menschen, einen „Mitanpacker“ und Zuhörer haben wir interviewt, lest hier was Steffen uns über seinen Einsatz in Ahrweiler berichtet und wie auch Ihr den Ahrweiler Familien helfen könnt.

Hallo lieber Steffen, wir freuen uns auf das Gespräch mit Dir. Sag mal: Krisensituationen bedeuten natürlich auch immer eine gewisse Abhängigkeit von staatlichen Hilfen und von einem solidarischen Miteinander. Wie waren hier Deine Erfahrungen?

An erster Stelle steht hier für mich der Zusammenhalt und die Bildung einer Gemeinschaft, denn derartige Situationen lassen sich nur als Team bewältigen. Ich selbst war das erste Mal drei Wochen nach der Flut vor Ort, da war die Grundversorgung an Lebensmitteln, Getränken und Toiletten bereits gestellt.

Es war und ist wirklich bemerkenswert, was vor allem private Organisationen in kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben.

Dokumentierter Abriss eines Hauses.

© @rheinbulli

Anders war es mit der Strom- und Wasserversorgung, hier war man auf Provisorien angewiesen. Was ich unterschätzt habe, ist das Problem der Kommunikation. Vielen Betroffenen war es über Tage nicht möglich ihre Freunde und Familien in den Nachbarorten zu erreichen, das Telefonnetz war zusammengebrochen und die Straßen waren aufgrund der meterhohen Anspülungen nicht passierbar. An vielen Stellen sind Straßen sogar vollständig weggespült worden.

Für mich unvorstellbar, nach Tagen nicht zu wissen, wie es den Liebsten geht.

Im Zuge dieser Überschwemmung sind die Sanitären Anlagen auch größtenteils zerstört worden. Dadurch hatten viele Leute keine eigene Toilette mehr. Wären Trockentrenntoiletten da nicht eine komfortable Lösung?

Das ist bei mir ein interessanter Zufall. Die Frage stellte sich mir tatsächlich das erste Mal im Ahrtal, allerdings lange vor der Flutkatastrophe. Im April dieses Jahres plante ich einen Kurzurlaub ins Ahrtal. Alle Hotels, Ferienwohnungen und auch Campingplätze waren Pandemiebedingt geschlossen.

Um endlich mal wieder rauszukommen und ein wenig die Natur zu genießen war mir das egal.

Ich packte meinen VW T3 Camper und wollte starten. Bis dato hatte das auch ohne Toilette gut funktioniert. Wenn man nett fragte, konnte man in vielen Geschäften oder Restaurants die Toilette nutzen. Aufgrund der Bestimmungen war dies im April so nicht möglich und es musste eine Lösung her.
Über verschiedene Social-Media-Kanäle wurde ich auf die unterschiedlichen Toilettenkonzepte aufmerksam und schnell wurde mir klar, dass es kein „Chemieklo“ werden soll.

Die Funktion einer Trockentrenntoilette konnte ich mir zwar nicht ganz vorstellen, habe mich dann aber auf die positiven Meinungen im Netz verlassen. Seit der ersten Nutzung waren alle Zweifel weg und ich war überrascht, wie gut es funktioniert.

Ohne würde ich heute nicht mehr losfahren.

© @rheinbulli

Kannst Du Dir Trockentrenntoiletten auch als eine dauerhafte Lösung vorstellen?

Seither stelle ich mir aber immer wieder die Frage, wieso wir unsere Toiletten überhaupt mit Wasser spülen, um es später wieder herauszufiltern oder in Mobil- bzw. Campingtoiletten eine derartige Chemiekeule einsetzen. In allen Ortschaften im Ahrtal sind Dixi’s aufgestellt worden, was natürlich nicht immer angenehm ist.

Eine eigene Toilette zählt dort aktuell zum seltenen Luxus.

Ich glaube im normalen Haushalt hat sich die Toilette mit Wasser- und Abwasseranschluss durchgesetzt. Besonders aber in abgelegen Gärten oder beim Camping kann und sollte die Trockentrenntoilette weiterverbreitet sein. Was ich immer wieder mitbekomme ist, dass dieses Toilettenkonzept vielen überhaupt nicht bekannt ist und generell nicht offen über das Thema gesprochen wird.

Die meisten von uns waren noch nie Helfer an einem Katastrophen-Ort. Mit was für einem Gefühl bist Du von da nach Hause gefahren?

In erster Linie werden vor Ort immer noch zahlreiche Hände benötigt, also kann ich nur alle auffordern, dort mit anzupacken. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es niemand bereuen wird. Ich habe in Ahrweiler wunderbare Herzensmenschen kennengelernt, sowohl Helfer als auch Betroffene.

Mein Blick auf die Menschheit hat sich dort stark verändert, jeder steht dem anderen positiv und ohne Vorurteil gegenüber.

Alle mit dem gemeinsamen Willen etwas zu schaffen und dem Gegenüber zu helfen. Was wir an den Tagen geschafft haben, hätte sich wohl vorher niemand von uns zugetraut. Wir sind mittlerweile eine große Truppe, welche sich immer wieder vor Ort trifft. Bei uns passt der Spruch „Als Fremde gekommen, als Freunde gegangen“ sehr gut.

Für uns alle steht immer wieder fest, wir kommen wieder! Mit dem Ziel vor Augen, uns irgendwann bei einem schönen Glas Wein in den Armen zu liegen und zu sehen was wir geschaffen haben. Ich bin mir sicher, dass Ahrweiler schöner wird als jemals zuvor, wenn auch ein wenig anders.

© @rheinbulli

Steffen, Weihnachtszeit bedeute, auch an andere zu denken: Was kann man machen, um den Leuten aus Ahrweiler seine Solidarität auszudrücken?

Ich bin jetzt jedes Wochenende zum Helfen vor Ort. Es haben sich eben ganz besondere Freundschaften entwickelt.

In den letzten Wochen wurde ein Weihnachtsfest für die Einwohner organisiert – viele Tannenbäume wurden aufgebaut. Die erste Wohnung haben wir vor zwei Wochen einzugsfertig gemacht: Türen eingebaut, Wände verputzt, Estrich gegossen, Brennholz geliefert. Aktuell wird ein Dach neu gedeckt. Unsere Truppe packt überall mit an. Mittlerweile haben wir auch Fachleute im Team.

Jede helfende Hand ist willkommen, aber natürlich ist das nicht für jeden möglich.
Wer trotzdem etwas beitragen und den Familien in Ahrweiler ein Weihnachtsgeschenk machen möchte, hat die Möglichkeit, sich an der Hilfsaktion der Dachzeltnomaden - ebenfalls geschätzte Mitglieder der Kildwick-Community, die sich tatkräftig vor Ort einbringen - zu beteiligen.

Eine Weihnachtsparty.

© @rheinbulli

Um jenen, die nicht wie wir kuschelig in den vier Wänden sitzen, sondern noch auf ein neues Zuhause warten, das Weihnachtsfest und die freudige Aussicht auf einen baldigen Neuanfang zu versüßen.

Steffen wir danken Dir ganz herzlich für das interessante Interview und möchten Dir unsere Bewunderung für Deinen Einsatz mit auf den Weg geben. Wir wünschen Dir viel Glück und weiterhin frohe Weihnachten!

„Als Fremde gekommen, als Freunde gegangen.“

„Als Fremde gekommen, als Freunde gegangen.“

Fluthilfe Ahrweiler

© @rheinbulli

Mit anpacken in Ahrweiler— direkt nach der Flutkatastrophe und in der Weihnachtszeit

Unser Gespräch mit einem Menschen, für den Helfen ganz selbstverständlich ist
 

Liebe Freunde,

wir hoffen Ihr habt ein besinnliches Fest, das jetzt am Ausklingen ist. Wir möchten mit Euch in den letzten Feiertags-Stunden zurückblickend an die Menschen denken, die dieses Jahr vielleicht ein nicht so schönes Weihnachten hatten, nämlich weil sie in der Flut-Katastrophe von Ahrweiler ihr Zuhause oder noch schlimmer Angehörige oder Freunde verloren haben.

Es geht nicht darum sich schlecht zu fühlen, sondern darum die anderen nicht einfach zu vergessen.

Angesichts dieser Ereignisse fragen wir uns, was Menschen in so einer Krise, die noch lange andauern wird, am meisten brauchen? Abgesehen von dem Lebensnotwendigsten sind es doch andere Menschen.

Menschen, die mitfühlen, Menschen, die zuhören, aber auch Menschen, die mitanpacken, helfen, manchmal auch mit einfachsten Lösungen, die schwierige Zeit zu überstehen und Lichtblicke schaffen – damit die Betroffenen sehen: Es geht weiter und wir sind nicht allein.

Einen dieser beindruckenden Menschen, einen „Mitanpacker“ und Zuhörer haben wir interviewt, lest hier was Steffen uns über seinen Einsatz in Ahrweiler berichtet und wie auch Ihr den Ahrweiler Familien helfen könnt.
 

Hallo lieber Steffen, wir freuen uns auf das Gespräch mit Dir. Sag mal: Krisensituationen bedeuten natürlich auch immer eine gewisse Abhängigkeit von staatlichen Hilfen und von einem solidarischen Miteinander. Wie waren hier Deine Erfahrungen?

An erster Stelle steht hier für mich der Zusammenhalt und die Bildung einer Gemeinschaft, denn derartige Situationen lassen sich nur als Team bewältigen. Ich selbst war das erste Mal drei Wochen nach der Flut vor Ort, da war die Grundversorgung an Lebensmitteln, Getränken und Toiletten bereits gestellt.

Es war und ist wirklich bemerkenswert, was vor allem private Organisationen in kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben.

© @rheinbulli

Anders war es mit der Strom- und Wasserversorgung, hier war man auf Provisorien angewiesen. Was ich unterschätzt habe, ist das Problem der Kommunikation. Vielen Betroffenen war es über Tage nicht möglich ihre Freunde und Familien in den Nachbarorten zu erreichen, das Telefonnetz war zusammengebrochen und die Straßen waren aufgrund der meterhohen Anspülungen nicht passierbar. An vielen Stellen sind Straßen sogar vollständig weggespült worden.

Für mich unvorstellbar, nach Tagen nicht zu wissen, wie es den Liebsten geht.
 

Im Zuge dieser Überschwemmung sind die Sanitären Anlagen auch größtenteils zerstört worden. Dadurch hatten viele Leute keine eigene Toilette mehr. Wären Trockentrenntoiletten da nicht eine komfortable Lösung?

Das ist bei mir ein interessanter Zufall. Die Frage stellte sich mir tatsächlich das erste Mal im Ahrtal, allerdings lange vor der Flutkatastrophe. Im April dieses Jahres plante ich einen Kurzurlaub ins Ahrtal. Alle Hotels, Ferienwohnungen und auch Campingplätze waren Pandemiebedingt geschlossen.

Um endlich mal wieder rauszukommen und ein wenig die Natur zu genießen war mir das egal.

Ich packte meinen VW T3 Camper und wollte starten. Bis dato hatte das auch ohne Toilette gut funktioniert. Wenn man nett fragte, konnte man in vielen Geschäften oder Restaurants die Toilette nutzen. Aufgrund der Bestimmungen war dies im April so nicht möglich und es musste eine Lösung her.
Über verschiedene Social-Media-Kanäle wurde ich auf die unterschiedlichen Toilettenkonzepte aufmerksam und schnell wurde mir klar, dass es kein „Chemieklo“ werden soll.

Die Funktion einer Trockentrenntoilette konnte ich mir zwar nicht ganz vorstellen, habe mich dann aber auf die positiven Meinungen im Netz verlassen. Seit der ersten Nutzung waren alle Zweifel weg und ich war überrascht, wie gut es funktioniert.

Ohne würde ich heute nicht mehr losfahren.

© @rheinbulli
 

Kannst Du Dir Trockentrenntoiletten auch als eine dauerhafte Lösung vorstellen?

Seither stelle ich mir aber immer wieder die Frage, wieso wir unsere Toiletten überhaupt mit Wasser spülen, um es später wieder herauszufiltern oder in Mobil- bzw. Campingtoiletten eine derartige Chemiekeule einsetzen. In allen Ortschaften im Ahrtal sind Dixi’s aufgestellt worden, was natürlich nicht immer angenehm ist.

Eine eigene Toilette zählt dort aktuell zum seltenen Luxus.

Ich glaube im normalen Haushalt hat sich die Toilette mit Wasser- und Abwasseranschluss durchgesetzt. Besonders aber in abgelegen Gärten oder beim Camping kann und sollte die Trockentrenntoilette weiterverbreitet sein. Was ich immer wieder mitbekomme ist, dass dieses Toilettenkonzept vielen überhaupt nicht bekannt ist und generell nicht offen über das Thema gesprochen wird.
 

Die meisten von uns waren noch nie Helfer an einem Katastrophen-Ort. Mit was für einem Gefühl bist Du von da nach Hause gefahren?

In erster Linie werden vor Ort immer noch zahlreiche Hände benötigt, also kann ich nur alle auffordern, dort mit anzupacken. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es niemand bereuen wird. Ich habe in Ahrweiler wunderbare Herzensmenschen kennengelernt, sowohl Helfer als auch Betroffene.

Mein Blick auf die Menschheit hat sich dort stark verändert, jeder steht dem anderen positiv und ohne Vorurteil gegenüber.

Alle mit dem gemeinsamen Willen etwas zu schaffen und dem Gegenüber zu helfen. Was wir an den Tagen geschafft haben, hätte sich wohl vorher niemand von uns zugetraut. Wir sind mittlerweile eine große Truppe, welche sich immer wieder vor Ort trifft. Bei uns passt der Spruch „Als Fremde gekommen, als Freunde gegangen“ sehr gut.

Für uns alle steht immer wieder fest, wir kommen wieder! Mit dem Ziel vor Augen, uns irgendwann bei einem schönen Glas Wein in den Armen zu liegen und zu sehen was wir geschaffen haben. Ich bin mir sicher, dass Ahrweiler schöner wird als jemals zuvor, wenn auch ein wenig anders.

© @rheinbulli
 

Steffen, Weihnachtszeit bedeutet, auch an andere zu denken: Was kann man machen, um den Leuten aus Ahrweiler seine Solidarität auszudrücken?

Ich bin jetzt jedes Wochenende zum Helfen vor Ort. Es haben sich eben ganz besondere Freundschaften entwickelt.

In den letzten Wochen wurde ein Weihnachtsfest für die Einwohner organisiert – viele Tannenbäume wurden aufgebaut. Die erste Wohnung haben wir vor zwei Wochen einzugsfertig gemacht: Türen eingebaut, Wände verputzt, Estrich gegossen, Brennholz geliefert. Aktuell wird ein Dach neu gedeckt. Unsere Truppe packt überall mit an. Mittlerweile haben wir auch Fachleute im Team.

Jede helfende Hand ist willkommen, aber natürlich ist das nicht für jeden möglich.
Wer trotzdem etwas beitragen und den Familien in Ahrweiler ein Weihnachtsgeschenk machen möchte, hat die Möglichkeit, sich an der Hilfsaktion der Dachzeltnomaden - ebenfalls geschätzte Mitglieder der Kildwick-Community, die sich tatkräftig vor Ort einbringen - zu beteiligen.

© @rheinbulli

Um jenen, die nicht wie wir kuschelig in den vier Wänden sitzen, sondern noch auf ein neues Zuhause warten, das Weihnachtsfest und die freudige Aussicht auf einen baldigen Neuanfang zu versüßen.
 

Steffen wir danken Dir ganz herzlich für das interessante Interview und möchten Dir unsere Bewunderung für Deinen Einsatz mit auf den Weg geben. Wir wünschen Dir viel Glück und weiterhin frohe Weihnachten!

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